Südpoolkicker on Wheels -
Tour 1
Radtour von Winterberg nach Witten, 14. - 16.08.2006
Tag 1
Nur knapp 2 Wochen vorher kam unser Willi auf die Schnapsidee doch mal ne "kleine Radtour" zu machen, er habe da was Tolles gehört. Vielleicht ein wenig übereifrig sagte Tom sofort "JAWOLL!" und überredete kurz darauf noch einen leicht angetrunken Arno zum mitmachen und somit war ein Trio für die Radtour Winterberg - Witten über den viel gepriesenen Ruhrtal-Radweg gefunden.
Vorbereitet
wurde eigentlich wenig, jeder bereitete Rad und Gepäck vor und am 14. war es
denn soweit und wir trafen uns um 09:45 Uhr am Herner Bahnhof, ca. 20 Minuten
vor Abfahrt unseres Zuges.
Dieser kam auch pünktlich und brachte uns zum Dortmunder Hauptbahnhof, wo wir dann in unsre endgültige Bahn wechselten, den Dortmund-Sauerland-Express der uns nach Winterberg bringen sollte.
In dem modernen, komfortabel eingerichteten Zug waren noch einige mehr Radfahrer eingestiegen, was den kleinen Expresszug sehr voll werden ließ, trotzdem war die Fahrt sehr angenehm und wir kamen pünktlich (zur Freude Arno's, der mittlerweile fast verschmachtet war) am Zielbahnhof in Winterberg gegen 12:30Uhr an.
Nach kurzer Orientierung, kleiner Pinkelpause und letztmaligem Richten des Gepäcks ging's dann auch schon los in Richtung Ruhrquelle, dem ersten Wegpunkt der Tour. Auf dem Weg dorthin wurden wir dann auch sofort eiskalt vom ersten Anstieg überrascht - mit kalten Muskeln den mindestens höchsten Berg Winterbergs hinaufzuradeln war wahrlich kein Vergnügen. Aus diesem Grund machten wir auch schon an der grob 2 km entfernten Ruhrquelle unsere erste Rast und stärkten uns mit Kartoffelspalten, Spaghetti und Bier.
Die Ruhr übrigens, der diesem Radweg den Namen gebende Fluss entwickelte sich auf unserer Tour vom mickrigen Plätscherbach, den wir kaum mal erkennen konnten, zu einem doch stattlichen und eigentlich immer sehr malerisch anzusehenden Wasserlauf.
Gestärkt ging es dann tatsächlich los - in Richtung unseres ersten Übernachtungszieles in Arnsberg. Diese erste Etappe unseres Weges war geprägt von einem stetigen Auf- und ab, immer wieder waren Steigungen zu überwinden nach denen wir dann aber auch mit rasanten Abfahrten belohnt wurden - und prompt fing sich Tom bei Kilometer 20 mitten in der Wildnis einen Bremsplatten mit Totalschaden des Hinterrades (Mantel und Schlauch) ein; bei der Gelegenheit wäre übrigens auch fast Arno mit ca. 45 km/h in die Büsche gesegelt.
Während der folgenden Zwangspause wurde das Hinterrad zunächst notdürftig geflickt und wir machten uns schleichend (später auch schiebend) auf den Weg in den 6 km entfernten Ort Olsberg, in dem ein Fahrradladen ansässig war. Dort angekommen durften wir uns erst einmal bis zur Öffnung dieser Radstation eine ganze Weile in einem örtlichen Imbiss stärken bis dann endlich Tom's Rad mit neuem Schlauch und Mantel versehen wieder einsatzbereit war und wir und an die nächsten ca. 30 km dieses Tages begeben konnten.
Von Olsberg fuhren wir weiter nach Meschede (eher eine schäbige Stadt), legten eine kurze Rast ein, und fuhren dann weiter zum Etappenziel Arnsberg. Der Weg dorthin war der schwerste an diesem Tag für uns. Wieder viele Steigungen, einsetzender Regen und schwindende Kräfte ließen uns unser Ziel, den Jugendhof des SGV in Arnsberg erst recht spät gegen 20:30 Uhr erreichen. Dort wurden wir sehr freundlich empfangen und ließen nach einer überfälligen Dusche den Abend ruhig beim Bier ausklingen. Die Unterkunft dort ist übrigens zu empfehlen - kleiner Preis, gutes Zimmer, Frühstück o.k., alles stressfrei und in nettem Ambiente.
Die erste Etappe betrug übrigens ziemlich genau 65 km (unsere 3 Tachometer gingen alle unterschiedlich, wir haben uns einfach auf Arno's geeinigt weil dieser den eher mittleren Wert anzeigte....) und wir benötigten hierfür ziemlich genau 4 Stunden reine Fahrtzeit. Nebenbei wäre noch zu erwähnen, dass im Sauerland am Wegesrand sehr viel wilder Rhabarber wächst und helle Kühe hässlich sind (man muss ja auch was lernen).
Tag 2
Eine
erste kleine Herausforderung an diesem Tag war zu erst einmal das morgendliche
Aufstehen - so manch einer (eigentlich tatsächlich nur einer) wollte dies nun
überhaupt nicht tun und ließ sich nur sehr schwer dazu überreden, das Bett zu
verlassen und das einfache, aber nahrhafte Frühstück einzunehmen. Nachdem dies
aber auch irgendwann geschafft war, konnten wir uns irgendwann überwinden wieder
mit mehr oder weniger schmerzenden Hinterteilen aufs Rad zu schwingen und die
geplante zweite Etappe - 55 Kilometer bis Hagen - anzutreten.
Nachdem Pfadfinder Willi uns an diesem Morgen völlig unnötig einen der längsten Anstiege der ganzen Tour hinaufjagte legte wir dann bei Tageskilometer 10 auf Wunsch von Tom die erste Pause ein - und statt einfach nur "Pause" zu rufen legte er sich mit Hilfe von Schienen direkt erstmal auf den Bart (die Verletzungen waren aber nur leicht, einer baldigen Turnierteilnahme steht also nichts im Wege....).
Danach ging's eigentlich recht problemlos weiter, in der Regel auch wie bisher über gut ausgebaute und vor allem gut beschilderte Radwege. Um der idyllischen Landschaft Respekt zu zollen legten wir im weiteren Verlauf ein paar kleinere Pausen ein. Dabei huldigten wir z.T. der Zunft der Brauer und gönnten. unseren malträtierten Hinterteilen kurze Zeiten der Erholung. Um dieses bestehende Problem besonders für Arno ein wenig zu lindern, machten wir einen Abstecher in kleine aber nette Örtchen Neheim und kehrten nicht nur in einem örtlichen Imbiss kurz zur Stärkung ein, sondern suchten auch ein gut sortiertes Fahrradgeschäft auf in dem Arno eine vernünftige Radlerhose erstehen konnte - der Tag war also halbwegs gerettet. Zu diesem kleinen Exkurs sei noch bemerkt, das a) die Ampelschaltung am Rathausvorplatz in Neheim eher mies ist b) man in Neheim recht angenehm und gut sortiert shoppen kann und c) die Möhne bei Neheim in die Ruhr mündet.
Nach diesem kleinen Exkurs ging's weiter die Ruhr hinab, wobei uns schon wenige Kilometer weiter ein gut ausgebauter Aussichtspunkt an einer idyllischen Ruhraue zu einer kleinen Bierpause einlud.
"Die Flussaue, auch nur Au(e) genannt, ist die vom wechselnden Hoch- und Niedrigwasser geprägte Niederung entlang eines Baches oder Flusses. Auen stehen als Teil der Flusslandschaft in permanentem Austausch mit dem Fluss selbst und seinem Einzugsgebiet. Die Oberflächenstrukturen und Lebensraumbedingungen werden vorrangig vom Fluss bestimmt. Durch den Wechsel von Überflutung und Trockenfallen sind Auen sehr dynamische Lebensräume mit unterschiedlichsten Standortbedingungen, die mosaikartig untereinander verzahnt sind. Auenökosysteme beherbergen eine große Vielfalt von Pflanzen und Tieren auf engstem Raum." Quelle Wikipedia.de
Von dort aus fuhren wir ohne größere Stopps zum geplanten Zwischenhalt in Fröndenberg, wo wir zielstrebig eine einladend wirkende Lokalität zur Auffüllung diverser Elektrolyte aufsuchten und somit auch dem ersten Regenschauer des Tages geschickt entgingen. Bei dieser Gelegenheit nutzen wir die Pause um das Kartenmaterial zu sichten und entdeckten einen Verlagsseitigen Patzer bei der Kilometerberechnung einzelner Strecken. Nach mehrfacher Kontrolle der Karten war bald klar - nicht 55 km sind heute zu fahren, sondern tatsächlich 75 km, ein nicht zu verachtender Unterschied wenn einem der Hintern schmerzt.
Nur mit einigen Bierchen und diversen falschen Versprechungen brachten wir Arno dazu, uns wenigstens erst einmal bis Schwerte zu begleiten, und somit konnten wir an diesem Tag einen weiteren, nicht unerheblichen Teilabschnitt zurücklegen.
In
Schwerte (ist übrigens eine irgendwie total hässliche Stadt) angekommen, gaben
wir nach einer erneuten Bierpause kurzerhand den unter gesundheitlichen
Problemen leidenden Arno bei der Bahnhofsmission ab um den Rest der Strecke -
die zusätzlichen 20km bis Hagen - fortsetzen zu können. Die Story, warum
übrigens bei Arnos Ankunft am Dortmunder Hauptbahnhof dort gleich Grossalarm
ausgelöst wurde, kann er am besten selber erzählen, hier sei nur gesagt, dass er
abends wohlbehalten vorzeitig zu Hause ankam, wir ihn aber eigentlich lieber
auch für den Rest des Wegs bei uns gehabt hätten....
Die Verzögerung in Schwerte sorgte dafür, dass Willi und Tom so richtig nass wurden - Regenschauer in der radfahrerunfreundlichen Stadt Hagen, wo irgendwie niemand so richtig weiß, wo man eigentlich gerade ist....
Irgendwie fanden wir dann aber doch den Weg in die örtliche Jugendherberge und nach kurzer Erledigung der Formalitäten konnten wir beginnen, uns von den Strapazen des Tages zu erholen. Die Jugendherberge an sich war groß, freundlich, sauber usw., kleines Manko war nur das ungeschickt eingerichtete Bad. Eine besondere Form der Unterhaltung wurde uns abends durch die anwesenden anderen Gäste der Herberge geboten - da waren zum einen eine gemischte Wasserballgruppe aus Schweden, die anscheinend Alkohol in großen Räumen herbeizaubern konnte, zudem trafen wir auf 2 ältere, leicht debil wirkende Männer, die irgendwie die Nacht damit verbrachten, im Dunkeln draußen zu sitzen und im heftigsten Regen Fotos vom Jugendherbergsgebäude zu schießen. Highlight war dann aber tatsächlich eine Art total gestörter Lehrer den wir im Fernsehraum trafen und dem anscheinend jede Fähigkeit zu einem auch nur annähernd normalen Sozialverhalten total abgegangen ist. Wie auch immer, nach je 2 Schlafbierchen und einem Imbiss ging dann auch irgendwann der zweite Tag unserer Fahrt zu Ende.
Tag 3
Nach
einer weiteren Nacht, in der irgendwie Arnos nächtliche Geräusche fehlten,
sprangen wir voller Elan in unseren immer noch regengetränkten Radlerdress,
passten einen freien Moment im Gemeinschaftsbad ab, um anschließend am
Frühstücksbuffet zuzuschlagen, bei dem wir erneut auf die sonderbaren Typen
vom Vorabend trafen. Im Hirn des Lehrers mussten einige Zellen „Freund“
zusammengesetzt haben, so dass dieser freundlich grüßte. Wahrscheinlich
hatten wir es am längsten mit ihm im Fernsehraum bei Reportage auf Phönix
über China, Snooker und französisch-sprachigen Berichten, bei denen Affen
von Baum zu Baum sprangen, ausgehalten.
Naja,
jedenfalls ging es wieder weiter auf die letzte Etappe von ca. 35km.
Da Hagen wohl vom ADFC auf Lebzeiten die Note 6 erhalten wird, beschlossen wir die nahe gelegene Lenneroute zu befahren, die am Hengsteysee auf den Ruhrtalradweg stößt.
So ging es erst einmal quasi 10km in die verkehrte Richtung, bis wir am Motorradtreff Hengsteysee bei einem Tässchen Kaffee die erste Rast einlegten, Den dort anwesenden Motorradfahrern war deutlich anzumerken, dass sie nicht verstanden, dass man sich auch ohne Motor fortbewegen kann, so verdutzt betrachteten sie hier unsere Fahrräder.
Dem Tipp des freundlichen Wirtes in dem etwas heruntergekommenen Nahrungsmitteltempel folgend, passierten wir den Hengsteysee auf der südlichen Seite, was uns 1-2 km, eine Steigung und etliche Schiebemeter ersparte.
Am
Laufwasserkraftwerk wurden dann auf unseren Anruf hin, schnell noch
Warnschilder für Tom aufgestellt, da wieder Schienen zu passieren waren und
dank dieser Warnungen ging diesmal alles glimpflich an den Schienen
aus.
Nach
einer Shoppingtour durch Herdeckes Karstadt und anschließender
Elektrolytezunahme ging es weiter bis Wengern.
Die Anschließende Serpentinenabfahrt mit mindestens 197%-igem Gefälle, die Dank des gestreuten Rollsplitts auch kaum rutschig war, meisterte Tom durch vorheriger Zunahme erneuter Radler-Präparate souverän.
Belohnt wurden wir kurz vor dem Ziel mit einer sehr schönen Fährfahrt über die Ruhr. Großes Lob an die immer wieder überaus freundlichen und gut gelaunten Fährschiffer und die kostenlose !!! Einrichtung dieser Flussüberquerung.
Und dann waren es nur noch wenige
Meter die uns von einem warmen Entspannungsbad trennten. Den Wegesrand
säumten die Einheimischen, Plakate begrüßten uns, Anfeuerungsrufe
kitzelten
die letzten Reserven aus unseren geplagten Körpern. Und nachdem uns das
gelbe Trikot übergestreift und Arno als bester Newcomer geehrt wurde, ließ
langsam die Wirkung der Hodenpflaster nach.
Da Tom an diesem Tage noch nicht außergewöhnliches passiert war, wollten wir es auch dabei belassen und packten das Rad kurzerhand ins Auto und fuhren nach Herne.
Geschafft !!!
.
Zum Schluss für Statistiker noch die
Tourdetails und kleine Anmerkungen:
gefahrene Gesamtkilometer:
180km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 16 km/h
Vmax 62 km/h
Verhältnis Kalorienzunahme / -Verbrauch:
1. Tag: 3 / 1
2. Tag: 1 / 1
3. Tag: 1 / 1,5
Bierkonsum: deutlich vorhanden
Verschleiß: 2 Schläuche, 1 Mantel, 10x10cm Haut
Neuanschaffungen: 1 Radlerhose, 1 Klingel, Badewasserfarben, diverse reduzierte T-Shirts, 1 Buch
Radwegbewertung: Sehr schöner Radweg, mit fast perfekter Beschilderung (Manchmal steht halt ein Bus davor), ab Arnsberg deutlich steigungsärmer. Eine spezielle Radlerhose ist bei solchen Touren übrigens ein absolutes Muss, wie wir deutlich feststellen mussten.....
Wir freuen uns auf das letzte Teilstück bis Duisburg, welches in naher Zukunft noch separat folgen wird, Mitfahrer sind dann hochwillkommen !!!
tv / cg